„Menschen dieser Welt, vereinigt Euch!“

[ Gastbeitrag von Prof. em. Dr. Vladimir Golstein, Yale University, Slavic Studies , USA.  – [ GvN ] Wir danken Countess Sigrid von Galen , London, für die Übersetzung ]

„Nicht mehr länger – Proletarier der Welt vereinigt Euch – sondern es ist: Menschen dieser Welt, vereinigt Euch!“
Einer der beliebtesten russischen Songwriters, Bulat Okudzhava, schrieb dieses berühmte Lied „Soiuz druzei“ (Einigkeit der Freunde) mit dem Refrain: „Lasst uns einander Hände halten, sodass wir nicht einer nach dem anderen zerstört werden“.

Es ist fast ein Cliche innerhalb des russischen Kontextes. Russische Kultur strebt immer nach Einigkeit, Einheit, Zusammenhalt, Kooperation und so weiter. Slavophile des 19.Jahrhunderts bestanden darauf, dass es gerade diese Einheit (’sobornost‘) ist, die Russland vom Westen mit seiner Betonung von Individualismus, Separation, Spannung und Wettbewerb unterscheidet.

Der russische Glauben an Einheit mag dem „stolzen westlichen Geist“ als naiv oder ‚Käse‘
erscheinen, aber je weiter wir voranschreiten, desto mehr nimmt er an Bedeutung zu.

Es gibt Probleme, denen die Welt ausgesetzt ist, die man einfach nicht alleine lösen kann, wenn man auch noch so außergewöhnlich ist.

Man kann wahrscheinlich mit einer individuellen Rakete davonfliegen, aber diejenigen, die auf der Erde zurückbleiben, müssen den Weg zusammengehen.

Darum bin ich mehr und mehr der Überzeugung, dass jeder, der Trennung predigt, eine Art von ‚Identitätspolitik‘ Unsinn, die Theorien, die Menschen gegeneinander ausspielen, der größte reaktionäre Narr ist, egal wie fortschrittlich er sich in seinem Geiste fühlt.

Es ist nicht mehr länger „Proletarier der Welt, vereinigt Euch“, es ist Menschen dieser Welt, vereinigt Euch!

Man kann es von oben angehen ( wir sind alle Kinder Gottes ) oder von unten ( Mutter Erde braucht unsere kollektive Mühe für unseren Schutz ), aber es ist hier. Die Worte sind gross an die Wand gemalt. Sie waren da vom Anbeginn; die Buchstaben werden aber immer sichtbarer.