Mein neuer akademischer Sparringspartner

Hier der blog meines neuen Sparringspartners unter  http://gedankenstrich.org/   Was bisher geschah: 

 Hallo Herr Fuhr,

danke für den Hinweis, schön dass der Bericht gestreut wird. Und da ich noch keine Gelegenheit hatte, auf Ihre letzte Mail zu antworten: »[…] anstatt […] als Professor nur für seine eigene Reputation zu agieren, finden sie nicht auch?« – Auf jeden Fall, zumal ich mich mit “Reputation” ( oder oft auch ihrer Simulation ) als Zentralwährung in der Wissenschaft bislang ohnehin noch nicht so richtig anfreunden konnte.

Rasche Grüße,
Jan-Felix Schrape
 

Am 19.01.2012 um 14:36 schrieb Alfred Fuhr:

Hallo Herr Dr.Schrape,
mit freundlichen Grüßen aus der Praxissoziologie, heute erhielt ich per twitter:
 
http://www.uni-stuttgart.de/soz/oi/aktuelles/Tagungsbericht_Internet_Mediensektoren.pdf
 
Alfred Fuhr
 

Sehr geehrter Herr Fuhr,

vielen Dank für Ihre Antwort auf meinen Artikel – aus meiner Sicht wäre es aber natürlich schöner, wenn sich diese Diskussion sichtbar online führen ließe, also mein Artikel ein Blog-Post und Ihre Antwort ein Comment wäre, dem sich vermutlich weitere Kommentare anschließen würden.

Ich finde eine Auseinandersetzung mit dem Thema “Soziologie und Öffentlichkeit” sehr wichtig, gerade weil mir selbst in meinem eigenen durchmischten sozialen Umfeld immer wieder die Frage begegnet, was ein Soziologe überhaupt macht bzw. welchen Zweck soziologische Forschung erfüllt. Und im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen sehe ich hier durchaus einen gewissen Nachholbedarf in der Präsentation.

Mir ist bekannt, dass es einige sehr rege Praxissoziologen und viele Freischaffende (vor allen Dingen in der empirischen Forschung) gibt, – und all das wollte ich selbstredend nicht marginalisieren. Auch war mir beim Verfassen des Artikels klar, dass die DGS und der BGS jeweils eine Pressestelle haben. Mir ging es um ein eher grundsätzliches Bewusstsein unter eben den von Ihnen so genannten soziologischen “Universitätsmenschen” (wobei ich damit nicht auf die Fehden zwischen den zwei Verbänden einstiegen will) für die Notwendigkeit, den Nutzen der eigenen (Forschungs-)Bemühungen auch nach aussen zu vertreten, also Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, wie es jedes Unternehmen oder jede Organisation ja letztlich auch machen muss.

Ich selbst habe einige Jahre als Marketing-Manager gearbeitet, zuletzt in einem Schweizer IT-Unternehmen, das damals aus rund 40 hochausgebildeten Informatikern (und einer Informatikerin) bestand. Weil das Unternehmen expandieren wollte, hatte die Geschäftsleitung beschlossen, eine zuvor nicht existente dreiköpfige Marketing-Abteilung einzurichten, der ich dann eben angehörte. Und es hat mehr als ein Jahr gedauert, den einzelnen Spezialisten und Experten deutlich zu machen, warum es neben der kreativen und elaborierten Programmierung eben auch Sinn macht, die Ergebnisse der eigenen Arbeit entsprechend zu vermarkten und allgemein verständliche Zugänge dazu zu schaffen – wofür alle Beteiligten auch ein entsprechendes Maß an Zeit investieren müssen.

Was ich damit sagen möchte: Es gibt meiner Beobachtung nach so viele soziologische Forschungsresultate, die im besten Falle von einem Duzend Gleichgesinnter intensiv rezipiert werden – und auf der anderen Seite gibt es so viele Fragen, zu denen in soziologischen Sphären schon viele Beantwortungsversuche vorliegen, welche aber in den allermeisten Fällen nicht gefunden werden, wenn sie gebraucht werden, weil ein Nicht-Soziologe mit den entsprechenden begrifflichen Überbauungen schlicht nichts anfangen kann und oft keine “Übersetzung” vorliegt. Und hier ließen sich m.E. die Strukturen schon etwas erweitern – über einen vollberuflichen Pressesprecher pro Verband hinaus –, sofern irgendwann vielleicht ein Bewusstsein dafür entsteht, dass auch eine Wissenschaft auf die Aussenwahrnehmung achten sollte. Ansonsten wäre es ja denkbar, dass nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die entsprechenden Finanzierungsstellen irgendwann schlicht nicht mehr davon überzeugt sind, dass sich die Gesellschaft eine so weit verzweigte Soziologie als universitäre Disziplin leisten muss.

Und da ich zu den 15% gehöre, die als Soziologie-Universitätsmenschen herumirren “dürfen”, möchte ich überdies noch kurz anmerken, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass irgendjemand (außer vielleicht die Universitätsmenschen mit festen Stellen) diesen Weg aus Bequemlichkeit wählt – sondern angesichts schlechter Bezahlung, ständiger Befristung und daraus resultierender mangelnder Erwartungssicherheit wohl eher aus intrinsischer Überzeugung.

Beste Grüße aus Stuttgart,
Jan-Felix Schrape
 

Am 14.01.2012 um 11:48 schrieb Alfred Fuhr:

Hallo Herr Dr. Schrape,
 
Gestern abend habe ich in der vom Berufsverband der deutschen Soziologinnen und Soziologen herausgegebenen und von den Professorinnen  Stefanie Ernst, Ulla Ralfs und Birgit Blättel- Mink editierten und von Dr. Wolfram Breger mit verantworteten Verbandszeitschrift SUB gelesen und besonders gegen Ende ihres Artikels bin ich motiviert worden Ihnen zu schreiben:

Sie schreiben:
„ Wenn die Soziologie also mit Blick auf die hier vorgeschlagene ‚Markenidentität‘ neben ihren Beratungsleistungen für Organisationen bzw. Akteure aus unterschiedlichen Funktionssphären auch eine öffentliche ‚ Reflexionswissenschaft‘ sein will, sollte sie ihre disziplinübergreifende Öffentlichkeitsarbeit professionalisieren.“
 
Da stimme ich ihnen völlig zu.
 
Weiter schreiben sie:
„Dadurch ließen sich nicht nur ihre internen Spezialisten entlasten, sondern auch die mit einer solchen funktionalen Ausdifferenzierung einhergehenden Synergieeffekte auszunutzen und übertragbare Erfahrungen sammeln, die dabei helfen könnten, den Umgang mit den Massenmedien bzw. der allgemeinen Öffentlichkeit zu effektivieren. Die notwendige Expertise für den Aufbau einer solchen Public Relations Abteilungfür die Soziologie wäre angesichts der Zahl an sozialwissenschaftlichen Absolventen, die im Marketing ihr Auskommen finden, allenfalls gegeben.“
 
Herr Dr. Schrape, zu ihrer Belehrung, die gibt es schon. Der Berufsverband besitzt einen Pressesprecher, nämlich mich. Ich habe seit 2006 diese funktion ehrenamtlich übernommen was durch die Struktur des Berufsverbandes auch völlig problemlos mit meiner damals Angestellten und heute freiberuflichen Tätigkeit als Unternehmensberater und meiner Expertise im Bereich der Verkehrs- und Kundensoziologie problemlos geht. Ich spreche und arbeite als Soziologe und kommentiere als Praxissoziologe die Welt und ihre Phänomene.
 
Die einzigen die sich mit der Existenz und der Notwendigkeit und einer Legitimation von Public Relations nicht abfinden können sind die wohl bestallten akademischen Reichsverweser der Soziologie die sich in der DGS zusammen geschlossen haben und auf dem Soziologentag in München vor sieben Jahren nachdem ich meine in weiten Teilen identischen Formulierung dort vorgetragen hatte mir nicht nur nicht zustimmen konnten, sondern in tosenden Beifall und standing ovations ausgebrochen sind als nach mir der Herr Prof. Dr. Dirk Käsler aus Marburg direkt nach mir das Wort ergreifen durfte und kommnetarlos den Satz in das akademische Rund warf: „ Die Soziologie ist eine Wissenschaft“.
 
Wissenschaft- das alles ist auch nachzulesen z.b. bei Mathias Kohring, Wissenschaftsjournalismus.
 
Mit soziologischem blick offenbart die PR- Feindschaft aber nichts anderes als den Kampf der Beamten den Begriff und das Thema und die Kunst der Soziologie auf das akademische Wissen und deren Verwaltungssprache  zu usurpieren, für Soziologie sprechen darf deshalb kein Praxissoziologe in den Medien sondern höchstens ein Professor oder Dr. – ein Universitätsmensch- wie sich Armin Nassehi selbst bezeichnet.
PR für soziologie würde nämlich bedeuten .
Eine systematische und einer Konzeption für eine kommunikative Botschaft für die DGS oder gar für beide Verbände… Das ist weltfern weil es auch in anderen Bereichen z.B der Bustouristik für die ich arbeite nicht möglich ist. Auch dort gibt es zwei Verbände mit zwei Pressesprechern.
 
Der BDS hat einen gewählt, die DGS beschäftigt eine Studentin…, bei Presseanfragen sind wir und besonders ich meist schneller,  noch Fragen ?
 
Herr Dr. Schrape, es sind nur noch 15 % die als Soziologie- Universitätsmenschen herumirren dürfen, der Rest der 85 % leben und arbeiten als Angestellte oder Freiberufler und tragen täglich die Soziologie durch ihr aktives Tun in die Gesellschaft und darum ist diese Praxis- Soziologie bereits eine gelebte Marke, die einen Wert besitzt. Mein Chef las Ulrich Beck und über 12 Jahre habe ich von Risikofeststellungen gut leben können, sogar selber geforscht und Studenten dabei anständig bezahlt. Seit dem 15.11. betreibe ich nun meine selbständige soziologische Unternehmensberatung und mache weiter PR für die Praxissoziologie, trete wie Herr Prof Nassehi im Bayrischen Rundfunk oder dem WDR auf und freue mich über meine grabräuberei akademischer soziologischer Theorie die die Eitelkeit unentgeltlich zur Verfügung stellt, während für oft dieselbe Expertise Kienbaum, Mc Kinsey und andere horrendes Beraterhonorar aufrufen
 
Die akademische Soziologie ist keine Marke und keine Konkurrenz für diese Marke, sie macht was sie will- und das geht nicht wenn man verantwortlich und erfolgreich PR betreiben will.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Alfred Fuhr
BDS- Pressesprecher

Alfred Fuhr  M.A.      Alfred.Fuhr@IP-Dialog.de

Dr.  Jan-Felix Schrape
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    Universität Stuttgart
    Institut für Sozialwissenschaften
    Abteilung für Organisations- und
    Innovationssoziologie (SOWI VI)
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    Tel.: 0711 / 685-81004
    Fax: 0711 / 685-81006

    felix.schrape@sowi.uni-stuttgart.de
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